Veranstaltungen und Berichte


GQW-Fachtagung 2008 in Bremen: "Innovationsqualität: Qualitätsmanagement für Innovationen"

Am 14. und 15. Februar 2008 fand die Jahrestagung der GQW zum Thema „Innovationsquali-tät: Qualitätsmanagement für Innovationen“ am Bremer Institut für Messtechnik, Automatisie-rung und Qualitätswissenschaft (BIMAQ), Fachbereich Produktionstechnik der Universität Bre-men, in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Qualitätswissenschaft e.V., Berlin, statt. Die Organisation und Leitung hatte in diesem Jahr Prof. Dr.-Ing. Gert Goch, Leiter des Bremer In-stituts für Messtechnik, Automatisierung und Qualitätswissenschaft (BIMAQ).
An der Tagung nahmen 63 Wissenschaftler und Fachleute aus Unternehmen teil. Vorgetragen und diskutiert wurde zum Beispiel zu den folgenden Fragen:

  • Müssen die bestehenden Qualitätsmanagement-Systeme erweitert werden, um auch bei in-novativen Produkten oder Produktionsprozessen vereinbarte oder vorausgesetzte Qualitäts-forderungen sicher zu erfüllen („Innovationsqualität“)?
  • Müssen neue, vor allem präventive QM-Methoden entwickelt werden, um die Einführung von Innovationen auch in der Massenproduktion sicher zu beherrschen und die Kundener-wartungen von Anfang an zu erfüllen?
  • Welche Auswirkungen haben diese erweiterten bzw. verbesserten QM-Systeme auf die Kosten, die Entwicklungszeit, die Garantieleistungen und andere wirtschaftliche Aspekte bei der Markteinführung innovativer Produkte und Produktionsprozesse?

Wenn es um neuartige Produkte geht, vernachlässigen deutsche Unternehmen zu häufig das Qualitätsmanagement. Die Folgen sind unter anderem teure Rückrufaktionen und große Image-Schäden. In diesem Bereich sehen die Tagungsteilnehmer nicht nur die Wirtschaft, son-dern auch die Forschungsförderung in der Pflicht, sich stärker zu engagieren.
Die Sicherung der Innovationsqualität ist eine umfassende, viele Disziplinen betreffende Aufga-be. Ansätze hierzu finden sich

  • bereits mit dem Prüfen der Tauglichkeit einer Idee: Es gibt kein Qualitätsmanagement ohne Kommunikation. Würden kleine Defekte bereits während der Konzeption und Entwick-lung entdeckt und behoben, gäbe es weniger Rückrufaktionen, Gewährleistungsfälle oder Schadenersatzklagen. So bedarf es neuer Verfahren zur Prüfung der Kundenanforderungen.
  • in der Lehre: Defizite in der Lehre führen dazu, dass den Unternehmen häufig das erforderliche Wissen zur Lösung von Qualitätsproblemen fehlt.
  • Rückverfolgbarkeit mit Hilfe der Informationsflussanalyse
  • in der Planung von Prüf- und Produktionsverfahren: Unternehmen in den führenden Industriestaaten müssen ihre Marktanteile durch Innovationen absichern. Hier ist es erforder-lich, höchste Ansprüche an die Planung der Prüf- und Produktionsverfahren zu stellen, da die Massenproduktion durch verkürzte Produktlebenszyklen, weniger Zeit für Testphasen oder einführende Kleinserien hohe Risiken birgt.
  • in der Umsetzung von Innovationen: In der Technik-Branche und bei Produkten, die weltweit vertrieben werden, müssen Innovationen sehr schnell umgesetzt werden, da durch die Öffnung der Märkte jeglicher Schutz entfällt.
  • in der Beherrschung von Fertigungsprozessen: Hier besteht eine gute Chance, sich gegen Plagiate zu schützen. Ziel ist es, dass man ein Produkt nicht mehr kopieren kann, wenn man nicht auch den zugehörigen Produktionsprozess beherrscht.

Zu den unterschiedlichen Fragestellungen trugen 17 Referenten folgende Themen vor:

  • Erfolgreichere Innovationen durch die Integration von Quality Gates in Unternehmens- und Produktlebenszyklus-Roadmaps
  • Tendenzen der Zuverlässigkeitssicherung innovativer mechatronischer Systeme
  • Virtuelles Qualitätsmanagement: Simulationsgestützte Auslegung kostenoptimierter Quali-tätsregelkreise
  • DGQ 2010
  • Auswirkungen der Metrology Instruments Directive (MID) - Beispiel Tankstelle
  • Anwendungsentwicklung für den CAQ-Bereich – Ergebnisse eines neuartigen QM-Ausbildungskonzeptes an der TU Ilmenau
  • Methodenbasierte Konfliktbewältigung in Entscheidungsgruppen der Produktentwicklung – Konzipierung von Gruppenexperimenten
  • Anforderungen an ERP-Systeme für KMU aus der Sicht des Qualitätsmanagements"
  • Qualitätsregelungen für die verzugsgerechte Herstellung von Wälzlagerringen
  • Innovationsqualität durch prozessorientierten, integrierten und durchgängigen Einsatz von (QM)-Methoden in der Produktentstehung
  • Anforderungsgewinnung im Vorfeld einer QFD für kleine und mittelständische Unternehmen
  • Qualitative Ermittlung der Bedarfsdeckung von innovativen Produkten
  • Besser Plan prüfen als Prüfungen planen
  • Effektivität erhöhen durch Innovative Prozesskettenoptimierung (IPO)
  • Excellence-centred Maintenance Management
  • Systematische Planung von Informationssystemen für die Statistische Versuchsmethodik nach einem Referenzmodell
  • Qualitätssicherung und Transparenz durch Kommunikation: Das Beispiel Fleischwirtschaft

Alle Beiträge sind im Tagungsband „Innovationsqualität: Qualitätsmanagement für Innovatio-nen“, Berichte zum Qualitätsmanagement, Band 10/2008, erschienen (Shaker-Verlag, ISBN 978-3-8322-6975-3).

Als Abschluss der Tagung fand eine Führung durch die Labore des BIMAQ statt.
Die GQW-Tagung 2009 wird in Göttingen unter der Leitung von Prof. Dr. Ludwig Theuvsen stattfinden.


Bremen, im Februar 2008

Prof. Dr.-Ing. Gert Goch

GQW-Fachtagung in Berlin 2008